Parodontitis und Diabetes mellitus - Interaktionen zwischen zwei Systemerkrankungen

Seit einigen Jahren finden die Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Diabetes mellitus vermehrt Beachtung. Zahlreiche Studien belegen, dass beide Erkrankungen in direktem Zusammenhang stehen. Dies bedeutet: Das Vorliegen der einen Erkrankung erhöht das Risiko, an der anderen zu erkranken bzw. beide können sich gegenseitig verstärken.

Bei Parodontitis und Diabetes mellitus handelt es sich um multifaktorielle, chronische Erkrankungen, die beide zu Beginn meist symptomlos verlaufen und so erst spät erkannt werden.

Parodontitis kommt bei Diabetikern häufiger vor als bei Nichtdiabetikern. Zudem wurde durch Studien belegt, dass das Risiko für die Entstehung und den Verlauf einer Parodontitis von der Blutzuckereinstellung des Diabetikers abhängt. Bei der vorliegenen Hyperglykämie (Überzuckerung) werden Zuckermoleküle ohne Hilfe von Enzymen “verarbeitet”. Dabei entstehen die sogenannten AGE’s (advanced glykation end products), die sich in den Geweben also auch im Parodont ablagern. Verschiedene AGE’s verstärken die bakteriell verursachte parodontale Entzündung und fördern den parodontalen Knochenabbau. Desweiteren behindern sie die bei der Parodontitsbehandlung notwendige Kollagen- und Knochenneubildung. Für eine erfolgreiche Parodontitisbehandlung ist eine optimale Blutzuckereinstellung des Patienten daher unerlässlich.

In zahlreichen Studien wurde festgestellt, dass der HbA1c-Wert durch eine vorliegende Parodontitis und deren Schweregrad sowohl bei Diabetikern als auch bei Nichtdiabetikern negativ beeinflusst wird. Die Vermutung liegt nahe, dass eine Parodontitis das Risiko für die Entstehung eines Diabetes mellitus erhöht. In einer weiteren Studie wurde deutlich, dass das Risiko an einer durch Diabetes mellitus begünstigten Komplikation (wie Herzinfarkt oder diabetische Nierenerkrankung) zu versterben, bei Diabetikern mit schwerer Parodontitis gegenüber parodontal Gesunden stark erhöht ist. Dies macht deutlich, dass eine Parodontitis durch ihren negativen Einfluss auf die Blutzuckereinstellung die Entstehung von Komplikationen eines Diabetes mellitus fördert. Weitere Studien belegen, dass durch eine Parodontitistherapie der HbA1c-Wert um ca. 0,4 % gesenkt werden kann und somit die Einstellung des Blutzuckerwertes günstig beeinflusst.

Dies zeigt, dass das Vorliegen eines Diabetes mellitus und dessen Blutzuckereinstellung in der zahnärztlichen Praxis für Vorsorge, Diagnose, Prognose, Therapieentscheidung und Nachbetreuung eines Patienten mit Parodontitiserkrankung von zentraler Bedeutung ist!

Die Behandlung beider Erkrankungen sollte aufgrund der oben beschriebenen Wechselwirkungen fachübergreifend erfolgen und erfordert eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient, Zahnarzt und Arzt.

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